Bericht „zukunftsfähige Landwirtschaft“

auch wenn ich das selbst mit etwas Wehmut betrachte: der Pflug, seit Jahrtausenden im Einsatz und schon in der Bibel erwähnt, hat bei Regenerativer Landwirtschaft ausgedient.

Bei unserer jüngsten Veranstaltung im „Digitalen Grünen Saal“ konnte ich rund 50 Gäste begrüßen. Zunächst referierte Gerhard Zickenheiner, Bundestagsabgeordneter aus Lörrach über seine politischen Erfahrungen zur Agrarpolitik und warb um Verständnis für die Situation der Landwirte. Selbst „eingeheirateter Bauer“ als Ehemann  einer Ziegenbäuerin aus dem Hochschwarzwald machte er einen Durchlauf über die Agrarpolitischen Beziehungen zwischen dem Welthandel und Europa, zwischen Bundesregierung und den sehr unterschiedlichen Situationen in den einzelnen Bundesländern, wo BaWü mit 36 ha durchschnittlicher Hofgröße mit norddeutschen Größen von bis zu 380 ha konkurrieren muss.
Er warb für ein Ende der strikten Differenzierung zwischen Bio- und konventioneller Landwirtschaft und forderte dazu eine Industrieunabhängige, stärker staatlich finanzierte Forschung. Im Anschluss entstand dennoch eine kontroverse Diskussion, um Unterschiede zwischen Bio und konventionell und Zwischenschritte der „Ökologisierung“ der gesamten Landwirtschaft.

Rudi Nesch‘ Bio- und Klima-Landwirt aus Vollmaringen stellte daraufhin seine „Regenerative Landwirtschaft“ vor, die er im 5. Jahr betreibt, in dem er seine Anbaumethoden auf die Zielsetzung des Humusaufbaus fokussiert. Dafür winkt ihm neben dem Beitrag zum Klimaschutz ein Entgelt aus dem CO2- Handel sowie eine natürliche Stickstoffgewinnung, die den synthetisch hergestellten Stickstoffdünger ersetzt.
Der Pflug hat bei ihm ausgedient, weil jedes Wenden des Bodens einen Verlust an Humus in Verbindung mit CO2- Ausstoß bedeutet. Während Tiefenlockerung und Belüftung des Oberbodens sowie eine mind. 11 monatige Grünphase im Jahresverlauf ihm hilft Humus aufzubauen und dadurch CO2 in den Pflanzen bindet. Detaillierte Nährstoff-Analysen, Flächenrotte, Fermente und Komposttee reduzieren zudem das Auflaufen von „Beikräutern“, gleichzeitig stärken sie das Immunsystem der Pflanze und reduzieren damit den Bedarf an Herbiziden, Fungiziden und Insektiziden. Noch manches weitere hochspannende Detail gab Rudi Nesch preis.
Sein Fazit, auch im Blick auf die vorangegangene Diskussion:  „Die „Regenerative Landwirtschaft“ ist eine Chance für Bio- und konventionelle Bauern, und einzelne Methoden seien auch im Grünland anwendbar.“
Seine These:  „Würden alle weltweiten Agrarflächen „regenerativ“ bewirtschaftet, könnte man den CO2- Überschuss, der für den Klimawandel verantwortlich ist, binnen 4 Jahren durch Humusaufbau binden. Neben dem Klima- Effekt könnte auch die Nitratbelastung im Grundwasser deutlich reduziert werden.“

Das Grüne Wahlprogramm sieht vor, weitere sogenannte Bio-Muster-Regionen zu etablieren. Mein Ziel, den Kreis Calw als Kandidaten ins Spiel zu bringen, könnte als Ergebnis dieses hochinteressanten Abends zu einer Regenerativen- Agrar- Pilot- Region weiterentwickelt werden, und dabei die ganze Bandbreite unserer heimischen Landwirtschaft mitnehmen.
Als nächstes Ziel wünsche ich mir, dass unser in Entstehung befindlicher Arbeitskreis Landwirtschaft im Grünen Kreisverband zu einem Forum wird, wo diese Ideen weiterentwickelt werden. Interessenten können sich gerne bei unserem Jung- Grünen Heiko Rentschler oder mir melden.
Ich danke allen, die dabei waren und mitdiskutiert haben, insbesondere aber Rudi Nesch und Gerhard Zickenheiner für ihre jeweils eigene, erfrischende Sicht der Dinge.

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